Twitter-Virus

Wikimedia Commons: Möbius-Streifen, David BenbennickIch bin für Guerilla­aktionen immer zu haben. Flash­mobs, Anonymous, Polit­clowns, The Yes Men, Guerilla­gardening und all das. System­schubsen, mit Hirn und Humor.

Derzeit läuft über Twitter etwas Ähnliches ab: Tausende (es werden sekündlich mehr…) twittern vor­wiegend nur einen ein­zigen Satz: Sometimes, I just want to copy someone else’s status, word for word, and see if they notice.

Über die Zeit haben sich die Satz­zeichen ein wenig ver­selbst­ständigt (hier ein Komma weniger, dort ein paar Punkte mehr), der Sinn des Textes bleibt un­angetastet.

Damit bekommt Twitter tat­sächlich etwas Philo­sophisches: Welchen anderen Sinn hat Twitter, als sich mit sich selbst zu beschäf­tigen?

Kalingeling

Wikimedia Commons: Antique Cash RegisterIch dachte mir, ich dürfte auch mal Wer­bung in eigener Sache machen…

Vor kurzem veröffent­lichte ich auf DrWeb.de einen Artikel zum Thema Spenden­konzepte im Netz. Das Leser­echo war uner­wartet ver­halten. Offen­sicht­lich lockt das Thema nur wenige web­affine Zeit­genossen hinterm Ofen hervor. Dabei finde ich es äußerst interessant, sich über die diversen Konzepte und Projekte zur Mone­tarisierung digi­taler Inhalte Gedanken zu machen.

Was also liegt näher, als sich blog­mäßig inten­siver damit zu beschäf­tigen: Kalingeling ward geboren!

Ideen, Erfahrungs­berichte und Projekte rund um Flattr, SellYourRights und viele andere Mög­lich­keiten des - ähem - anstren­gungs­losen Wohl­stands 2.0.

Ich freue mich auf Eure Anregungen und Kommentare.

Nationallizenzen

The Goldsmiths-Kress Library of Economic Literature (via Verbundzebtrale des GBV): Titelbild "New-England's Prospect", William Wood, 1639Ein Projekt, dem leider viel zu wenig Beachtung geschenkt wird:

Die Deutsche Forschungs­gemeinschaft finanziert seit 2004 den Erwerb von National­lizenzen für elektronische Medien. Klingt abstrakt, beinhaltet jedoch einen unermesslichen Schatz für historisch Interessierte.

Bedeutende Biblio­theken in Deutsch­land haben Verträge mit Verlagen und Fach­gesell­schaften ausgehandelt, um deren digital­isierte Werke ihren meist kosten­pflichtig registrierten Mitgliedern (Wissen­schaftlern, Studenten etc.) für Recherche­zwecke zur Verfügung zu stellen.

Die DFG hat sich damals mit einigen Fach­bibliotheken zusammen­getan, um Institutionen und auch wissens­durstigen Privat­personen eine umfang­reiche Auswahl historisch-wissen­schaft­licher Literatur kosten­frei zugänglich zu machen.

Beispiel gefällig? Wood, William. New-England’s prospect. 3rd ed. London, 1639; 1764.

Großartig. Und spannend!

Nachrichten mit Niveau

Wikimedia Commons: All's well that inks well, Chris WightmanMitte Juni 2009 erlaubte sich die israelische Tages­zeitung Haaretz ein spannendes Experiment: Für einen Tag übernahmen bekannte israelische Autoren und Dichter die Bericht­erstattung. Die Journalisten hatten frei.

Abgesehen von lyrischen Berichten über Börse und Wetter schrieben sie bewegende Geschichten beispiels­weise über drogen­kranke Kinder im Rehabilitations­zentrum oder den Alltag von Krebs­patienten im Kranken­haus.

Für Autoren wie Journalisten war es eine lehrreiche, wenn auch einmalige Erfahrung. Aufwand und Nutzen waren schlicht unverhältnis­mäßig; die Quadratur des Qualitäts­journalismus-Kreises eben.

Zum Vergleich:

Das Salisbury Journal steigerte seinen Bekanntheits­grad viral. Vier Sätze über eine verletzte Hunde­schnauze lockten Dank der Leser­kommentare im Netz Hundert­tausende auf ihre Seiten.

2009… war was?

Wikimedia Commons: Hypnose, SchneiderDie Initiative Nachrichtenaufklärung kürt seit 1997 jährlich die Top-10 der letztjährigen Meldungen, die trotz ihrer Bedeutsamkeit kaum bis gar nicht von den Massenmedien aufgegriffen wurden.

Die Liste der Top-Themen 2009 wurde dieser Tage bekannt gegeben: Pflegenotstand in Krankenhäusern, rechtswidrige Anwendung von Polizeigewalt und mangelhafte Deklarierung von Jodzusatz in Lebensmitteln sind nur drei Punkte dieser bedeutsamen Liste.

Dass naturgegeben nicht alle diese Themen jeden interessieren, ist klar. Wer mehr erfahren möchte, dem sei Der Blinde Fleck empfohlen, der Blog der Initiative.

Seit nunmehr dreizehn Jahren bringt die Initiative gemiedene Themen ans Licht… ohne flächendeckende Beachtung. Aber wer sollte auch darüber berichten?


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