Margin Call — Ein Film über nasses Wasser

Sel­ten hat mich ein Film der­art wütend im Kino­ses­sel zurück­ge­las­sen: Eine Invest­ment­firma kämpft in der Finanz­krise ums Überleben.

Und ich frage mich: Was möchte der Strei­fen vermitteln?

  • Invest­ment­ban­ker besit­zen ein aso­zia­les Wertesystem?
  • Sie haben keine Ahnung von dem, was sie da tun?
  • Sie sind getrie­ben von Gier und Sachzwängen?

Keine tief­schür­fen­den Erkennt­nisse; zumin­dest nichts, was über ein­hun­dert Minu­ten trägt.

Statt­des­sen sehe ich einen neo­li­be­ra­len Wer­be­film: Schaut her, wie ver­letz­lich und inner­lich zer­ris­sen wir sind. Und wie mann­haft und trick­reich wir, die Alphab­ro­ker, die­ses Gemet­zel über­lebt haben. Börse ist Krieg!

Mora­lin­sauer gebeiz­tes Green­wa­shing, mit scha­ler Situa­ti­ons­ko­mik aufgelockert.

Erbärm­lich. Und lang­wei­lig dazu.

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Netzneutralität, offline erklärt

Abandoned petrol pump, Norfolk (Lewis Collard)

Wiki­me­dia: © Lewis Collard

“Du stehst in der War­te­schlange vor der Zapf­säule, hin­ter Dir ein SUV. Der Tank­wart winkt ihn an Dir vorbei.”

“Wieso das denn?”

“Der Fah­rer hat eine Gebühr bezahlt für bevor­zugte Betankung.”

“Dann zahle ich die eben auch!”

“Es geht nicht darum, dass er bezahlt, son­dern darum, dass er mehr bezahlt als Du!”

“Dann zahle ich eben nicht und warte.”

“Und bekommst kei­nen Sprit mehr. Du warst ja schließ­lich schon bereit, diese Gebühr zu bezahlen.”

“Das wäre doch unfair! Gegen diese Prak­ti­ken würde ich mich wehren!”

Um die Men­schen wach­zu­rüt­teln, muss man eben auch mal dahin hauen, wo es weh tut.

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Schrott für die Welt

Ghanaians working in Agbogbloshie, a suburb of Accra, Ghana.

Wiki­me­dia: User:Marlenenapoli (CC-Zero)

Der süd­afri­ka­ni­sche Foto­graf Pie­ter Hugo beglei­tete letz­tes Jahr die Men­schen außer­halb Agbog­blo­shie, eines Slums im Zen­trum der gha­nai­schen Stadt Accra. Die Ein­woh­ner dort leben haupt­säch­lich von der pri­mi­ti­ven Aus­schlach­tung indus­trie­na­tio­na­len Elek­tro­nik­schrotts und mit deren Fol­gen: Umwelt­zer­stö­rung und Erkrankungen.

Die Gre­mien der Nord­halb­ku­gel, die die­ser Schrott­ver­klap­pung einen Rie­gel vor­schie­ben könn­ten, sind dazu weder wil­lens noch in der Lage.

Doch selbst, wenn sie es täten: Dann hät­ten diese Men­schen nicht ein­mal mehr mit die­ser Drecks­ar­beit ihr — wenn auch erbärm­li­ches — Einkommen.

Eine Zwick­mühle, aus der zu ent­kom­men offen­sicht­lich schwie­rig ist.

Und eine Tat­sa­che, die bei­spiels­weise bei Green-IT gar nicht ange­spro­chen wird.

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Zum Tode von Loriot

Loriot - Boulevard der Stars

Wiki­me­dia: User:Times (CC-BY-SA 3.0)

Petrus: Herr von Bülow, nicht Sie auch noch.

Loriot: Mooo­ment! Ich habe ein RECHT dar­auf, zu ster­ben, wie jeder andere auch! [ver­sucht, sich vorbeizudrängeln]

Petrus: Aber Sie kön­nen nicht… Hören Sie, Frau Hamann hat hier schon alles durcheinander…

Loriot: Ach was.

Petrus: Die Fol­gen wären unab­seh­bar, wenn Sie jetzt beide…

Loriot: Ach was.

Petrus: Darum darf ich Sie nicht…

Loriot: DAS wer­den wir ja sehen. Na-hein, nicht mit mir! Sie las­sen mich SOFORT rein!

Petrus: Schön, aber hal­ten Sie sich fern von Frau Hama… Herr von Bülow? [seufzt]

Ich beuge mein Haupt in Ehr­furcht und Trauer!
Frü­her war mehr Lametta.

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Regenzeit

Raindrops on a window of a building in Amsterdam, The Netherlands

Wiki­me­dia: User:Massimo Cata­ri­nella (CC-BY-SA 3.0)

Fünf Jahre. Fünf lange Jahre.

Oh, wie ich es liebe, den Regen am Fens­ter abflie­ßen zu sehen. Sei­nen beschwö­ren­den Mäan­dern mit Augen und Fin­gern zu fol­gen. Sein unste­tes Schla­gen am Glas zu hören. Seine schrä­gen Schlie­ren am Hori­zont zu beob­ach­ten, wenn sich doch ein­mal die Sonne Bahn bricht durch die sat­ten Wolken.

Regen bedeu­tet Leben. Kein Regen bedeu­tet Tod.
Seit fünf Jah­ren in Folge hat uns der Gott des Regens seine Gnade geschenkt.

Ich schlei­che leise zur Kam­mer mei­ner Jüngs­ten und schaue vor­sich­tig hin­ein.
Sie schläft ruhig. Ihr wurde ein wei­te­res Jahr gewährt.

Regen bedeu­tet Leben. Kein Regen bedeu­tet Tod.


(Ein klei­nes Geschich­telein, dass ich im Zuge einer Schrei­b­übung zum Thema “Regen­zeit” ver­fasst habe.)

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Vom Fressen und Kotzen

Oper Köln Waschraum 7292 (Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA)

Wiki­me­dia: Elke Wet­zig (CC-BY-SA 3.0)

Fri­endly Fire, irgend­wie: Der Popanz Nige­las Mer­kozy hat die Euro­päi­sche Wirt­schafts­re­gie­rung aus­ge­ru­fen, nach­dem die Kanail­len der welt­um­span­nen­den Finanz­kloa­ken erfolg­reich ihre Ver­luste sozia­li­siert und die Scha­tul­len ihrer will­fäh­ri­gen Lakaien geplün­dert haben.

Das deut­sche Erfolgs­pro­dukt Schul­den­bremse wird Europa eine gedeih­li­che Zukunft auf­zwin­gen. Mit Voll­be­schäf­ti­gung (von der kaum jemand leben kann), Wirt­schafts­auf­schwung (auf Kos­ten der sozial Schwa­chen) und Wah­rung aller Ver­fas­sungs­rechte (solange es die bei­den Punkte vor­her nicht behin­dert, natürlich)…

Falls es jeman­dem ent­gan­gen sein sollte: Der deut­sche Auf­schwung XL ist eine Lach­num­mer. Wie soll Europa an die­sem Plei­te­kon­zept genesen?

Den vom gegen­wär­ti­gen Neo-Biedermeier gepräg­ten deut­schen Michel ficht das alles erschre­cken­der­weise kaum an.

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Das Millionenspiel 2.0

Falschparker Suchanzeige

Eige­nes Werk (CC-BY-NC-SA 3.0)

Cory Doc­to­row, ein von mir geschätz­ter Autor und Inter­net­ak­ti­vist, war Zeuge eines Handy-Diebstahls. Er foto­gra­fierte den flüch­ten­den Täter, ging zur Poli­zei und… ver­öf­fent­lichte das Foto zusätz­lich im Netz mit dem Auf­ruf, die­sen Mann bei Antref­fen zu melden.

Ist die­ser Akt der Selbst­jus­tiz akzep­ta­bel, auch wenn er nicht expli­zit zu eben­sol­cher auf­ruft? Und wo lie­gen die Gren­zen? Mord, KiPo, Kör­per­ver­let­zung, Brand­stif­tung, Sach­be­schä­di­gung, Müll­ent­sor­gung, Fremd­ge­hen, Falschparken?

Wel­cher Bür­ger ist ethisch der­art gefes­tigt, dass er die Ver­ant­wor­tung für die Aus­wüchse über­neh­men kann? Von Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen und deren Fol­gen ganz zu schweigen.

Mich erin­nert es beängs­ti­gend an dysto­pi­sche Unter­schich­ten­for­mate wie Run­ning Man oder Das Mil­lio­nen­spiel.

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Freidrehende Kinder. Sort of…

Integratives Feriencamp Alsdorf (Feriencamp Lenneper)

© Feri­en­camp Lenneper

Zwei Tage lang bekam ich die Gele­gen­heit, spon­tan als Ersatz­be­treuer beim Inte­gra­ti­ven Feri­en­camp in Als­dorf ein­sprin­gen zu kön­nen. Ange­kün­digt waren teils schwere jugend­li­che Pro­blem­fälle, die in den Griff zu bekom­men ich mir als päd­ago­gi­schen Laien nur schwer vor­stel­len konnte.

Zusam­men mit dem zustän­di­gen The­ra­peu­ten konnte ich tat­säch­lich — nicht nur — in unse­rer Gruppe neu­gie­rige und auf­ge­weckte Kin­der ken­nen­ler­nen, die zuge­ge­be­ner­ma­ßen bis­wei­len recht anstren­gend waren. Im Gro­ßen und Gan­zen waren die Kid­dies aber manier­lich, umgäng­lich, ver­ständ­nis­voll und sogar umein­an­der bemüht. Das umfang­rei­che Bespa­ßungs­pro­gramm tat sein Übri­ges dazu.

Diese Woche Frei­zeit­camp kos­tet rund bum­me­lig 60 Euro. Das Pro­jekt ist aber haupt­säch­lich [*zublin­zel*] spen­den­fi­nan­ziert.

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Ferien im Internet

Strichzeichnung: Ferien im Internet

Eige­nes Werk (CC-BY-NC-SA)

Die Fünft­kläss­ler waren dies­mal für jeweils zwei Schul­stun­den vom Unter­richt befreit, um von uns Tipps und Vor­sichts­maß­nah­men für die Feri­en­ak­ti­vi­tä­ten im Inter­net zu bekom­men; ohne mora­li­schen Zei­ge­fin­ger, Ver­bote und Dududu. Dafür ehrenamtlich.

Bemer­kens­wert dabei:

Viele der Elf– und Zwölf­jäh­ri­gen sind inten­siv in sozia­len Netz­wer­ken unter­wegs, und nicht wenige haben bereits nega­tive Erfah­run­gen im Inter­net gemacht: Cyber­mob­bing, Abzo­cke, Anmache.

Liebe Schul­lei­ter, die ihr alle zu wenig Geld habt:

Ver­an­stal­tet bitte Pro­jekt­tage, in denen die Schü­ler diese Erfah­run­gen ver­ar­bei­ten kön­nen. Ihres­glei­chen dürfte das wesent­lich bes­ser ver­in­ner­li­chen, als wenn ihnen zwei alte Säcke im Fron­tal­un­ter­richt die Welt erklären!

Liebe Bil­dungs­po­li­ti­ker:

Danke für nichts!

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Erfolg

Erfolg heißt…

  • oft und viel lachen;
  • die Ach­tung intel­li­gen­ter Men­schen und die Zunei­gung von Kin­dern gewinnen;
  • die Aner­ken­nung auf­rich­ti­ger Kri­ti­ker ver­die­nen und den Ver­rat fal­scher Freunde ertragen;
  • Schön­heit bewun­dern, in ande­ren das Beste sehen;
  • die Welt ein wenig bes­ser ver­las­sen, ob durch ein gesun­des Kind, ein Stück­chen Gar­ten oder einen klei­nen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung der Gesellschaft;
  • wis­sen, dass wenigs­tens das Leben eines ande­ren leich­ter war, weil Du gelebt hast.

Das bedeu­tet, nicht umsonst gelebt zu haben.

Ralph Waldo Emerson

Meine Phi­lo­so­phie, seit Jahren.

Manch­mal werde ich mir untreu; bei­spiels­weise, wenn bei Poli­ti­kern das Beste zu sehen ein­fach nicht klap­pen will…

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